
Wie lange darf oder soll eine Mutter stillen? Bei diesem Thema möchten alle mitreden – Familienangehörige genauso wie Arbeitskolleginnen oder die Mutter-Kind-Gruppenleiterin. Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Jede Mutter darf für sich selbst entscheiden, wann sie bereit ist, abzustillen. Das Wichtigste dabei ist, dass Sie sich mit der Entscheidung gut und sicher fühlen.
Erfahren Sie mehr über typische Gründe zum Abstillen, hilfreiche Tipps zum schnellen oder langsamen Abstillen und wie Sie am besten mit dieser emotional herausfordernden Situation umgehen
Der Prozess des Abstillens beginnt dann, wenn dem Kind aktiv andere Nahrung anstelle von Muttermilch angeboten wird oder es danach verlangt. Das bedeutet: Ein beikostreifes Kind wird sich ganz von selbst abstillen, also das Stillen reduzieren, sobald es Beikost erhält und sein Kalorien- und Nährstoffbedarf dadurch gut gedeckt wird.
Das Abstillen ist dabei ein langsamer Prozess, der sich über viele Monate hinweg erstrecken kann und aktiv durch Mutter und Kind gestaltet wird.
Bei nicht beikostreifen Kindern erfolgt diese Umstellung auf geeignete Milchnahrung, bis sich die Beikostreife entwickelt hat.
Gut zu wissen: Das physiologische Abstillalter wird meist mit 2 bis 4 Jahren angegeben. Wenn Ihr Baby also neben der Beikost und nach dem ersten Geburtstag weiterhin stillt oder eine Flasche mit Milchnahrung erhält, ist das im Grunde normal. Achten Sie nur darauf, dass Ihr Kind eine altersangemessene Menge an Beikost zu sich nimmt, um seinen Nährstoffbedarf zu decken.
Die Gründe zum Abstillen sind vielfältig: der Beikoststart mit 6 Monaten zählt dazu, ebenso wie stillunfreundliche Arbeitszeiten, die Hoffnung auf bessere Trennungs- oder Schlafsituationen, eine erneute Schwangerschaft oder schlicht der Wunsch der Mutter, das Stillen zu beenden.
Manchen Müttern fällt es leicht, anderen schwer. Manche Babys nehmen, ohne zu zögern, Alternativen wie Beikost und Flasche an, andere verweigern alles. Und manchmal fühlt es sich auch so an, als wäre das Abstillen nötig, um andere Themen wie essen, schlafen oder arbeiten gehen besser in den Griff zu bekommen.
Es gibt viele Gründe, die dem Abstillen vorausgehen - diese sind sehr individuell und von Mutter zu Mutter unterschiedlich. Das Wichtigste ist, dass die Mutter die Entscheidung trifft und sich damit wohl fühlt.
Manchmal werden Mütter zum Abstillen gedrängt, ohne selbst dazu bereit zu sein. Teils wird auch aus Unwissenheit über bestehende Mutterschutzrechte oder medizinische Möglichkeiten zum Abstillen geraten, sobald die Mutter ihre Arbeit wieder aufnimmt. An dieser Stelle deshalb nur kurz: Stillen und Arbeiten schließen sich nicht aus. Ganz im Gegenteil – mit einer guten Unterstützung kann das prima gelingen.
Der Wunsch nach mehr Freiraum, besserem Schlaf oder einem gesünderen Appetit beim Beikost-Start ist verständlich. Tatsächlich gibt es aber keine Garantie, ob das Abstillen tatsächlich zu einem besseren Schlaf beiträgt. Oft ist es sogar schwieriger als vorher, ein unruhiges Baby nachts in den Schlaf zu begleiten. Denn jedes Baby hat seinen eigenen Rhythmus, und der bestimmt darüber, wann es für bestimmte Entwicklungssprünge bereit ist.
Das ist die beste Ausgangslage, um zu starten. Babys und Kleinkinder haben sehr feine Antennen und reagieren auf Unsicherheiten von Erwachsenen mit Unruhe, Tränen und auch Protest. Das verstärkt wiederum die Unsicherheit der Mutter und erschwert den Abstillprozess. Sind Sie sich selbst sicher in der Entscheidung zum Abstillen, kann das das Abstillen deutlich erleichtern.

Gönnen Sie sich und Ihrem Liebling viel Zeit miteinander, in der sie kuscheln und Körperkontakt halten. Das beruhigt und stärkt die Bindung!
Bei Kleinkindern sind unterstützende Rituale hilfreich, die die intensive Bonding-Zeit während des Stillens ersetzen. Dazu zählen unter anderem gemütliche Vorleserunden mit Kuscheleinheiten, ungestörte Spielzeiten, Massagen oder Tragen zum Einschlafen.
Ein schnelles, durch äußere Umstände nötiges Abstillen kann für Mutter und Kind sehr belastend sein – eine emotionale Achterbahn für alle Beteiligten, die sich nur langsam wieder beruhigt.Auch die Umstellung auf eine andere Nahrung kann bei Ihrem Baby andauern, Bauchweh und Unruhe sind typische Begleiterscheinungen.
Die enge emotionale und auch körperliche Bindung ans Kind hebt sich durch das Abstillen nicht plötzlich auf. Denn Bindung entsteht vor allem durch innige Nähe und Geborgenheit, durch Aufmerksamkeit und ein gutes Gespür für die Bedürfnisse des Gegenübers.
Auch wenn Sie nicht mehr stillen, können und werden Sie Ihrem Kind all das weiterhin geben. Gemeinsames Baden, reichlich Haut-an-Hautkontakt und regelmäßiges Tragen, beispielsweise mit Tragehilfen oder Tragetüchern, stärken das Band zwischen Ihnen und Ihrem Kind.
Nehmen Sie sich, wenn möglich, bewusst Zeit dafür, das letzte Stillen zu genießen, und verabschieden Sie sich gemeinsam davon. Für manche Frauen ist ein letztes Stillbild wichtig, andere notieren sich das Abstilldatum im Babyalbum oder schreiben Ihrem Stillkind einen Brief. Finden Sie ein Ritual für sich, das Ihrem Bedürfnis nach Abschied entspricht.
Ihr Baby darf wütend sein und seine Frustration darüber auch zeigen, wenn es sich vom lieb gewonnenen Stillen verabschieden muss. Ebenso dürfen Sie selbst sich ärgern oder traurig sein, wenn Sie ungewollt abstillen müssen. Lassen Sie sich vom Umfeld nicht einreden, Ihre Gefühle hätten keinen Raum oder dass Sie froh sein sollten, Ihr Baby ansonsten gut versorgt sehen zu dürfen.
Das gilt selbstverständlich auch in die andere Richtung: Wenn Sie abstillen und sich über diesen Schritt freuen, lassen Sie sich vom Umfeld kein schlechtes Gewissen einreden. Sie allein entscheiden darüber, wie lange Sie stillen möchten.

Den Zeitpunkt zum Abstillen bestimmen Sie und Ihr Baby. Einen festen Zeitpunkt zum Abstillen gibt es nicht. Manche Kinder wollen länger gestillt werden, als die Mutter dies vorhat. Manchmal möchte die Mama gern länger stillen, aber äußere Umstände machen ein vorzeitiges Abstillen notwendig.
Je nach individueller Reife des einzelnen Kindes kann frühestens ab dem 5. Monat auch die Muttermilch mit Beikost ergänzt werden. Schrittweise wird eine Stillmahlzeit durch einen Brei oder geeignetes Fingerfood ersetzt. Ein solches Vorgehen ist hierzulande üblich und durch Beikostpläne ergibt sich eine Routine, die viele Mamas hilfreich im Alltag mit Baby empfinden.
Im Grunde beginnt also mit dem ersten Bissen und dem ersten Löffel Beikost bereits der Abstillprozess. Der perfekte Zeitpunkt wäre also mit Beikostbeginn, indem neben der Beikost weiterhin gestillt wird. Gemächlich wird dann eine Stillmahlzeit nach der anderen mit Beikost ergänzt. Das kann schnell passieren oder auch länger dauern. In manchen Familien werden die Mahlzeiten sehr strikt ersetzt, in anderen wird neben der Beikost so lange und gern weitergestillt, wie es sich für alle Beteiligten gut anfühlt. Möglich sind beide Wege.
Stellen Sie sich deshalb bewusst zwischendurch diese Frage: Passt es gerade für uns, weiter zu stillen? Fühlt es sich richtiger an, jetzt abzustillen?
Es gibt durchaus einige Situationen im Leben mit Stillkindern, die sich weniger gut eignen:
Widmen Sie sich in diesen Phasen am besten ganz der Pflege Ihres Lieblings und verschieben Sie das Abstillen noch etwas nach hinten. Sie werden sehen, dass es dann etwas leichter gelingt als in einer Krankheits- oder Umgewöhnungsphase.
Das Abstillen kann langsam über Monate hinweg oder schnell innerhalb weniger Tagen erfolgen. Je nach Methode und Dringlichkeit können Medikamente nötig werden, um die Milchbildung zu stoppen und Entzündungen der Brust zu vermeiden.
In manchen Situationen ist ein schnelles, sofortiges Abstillen nötig. Meistens ist aber etwas mehr Zeit vorhanden, sodass ein sanftes und langsames Abstillen möglich ist.
| Schnelles Abstillen | Langsames Abstillen | |
|---|---|---|
| Dauer | Binnen weniger Tage | Meist über mehrere Wochen oder Monate hinweg |
| Wirkung auf die Mama | Gefahr von Milchstau und Brustentzündung | Langsame Reduktion der Milchmenge kann entlastend wirken |
| Wirkung auf das Kind | Frustration, Tränen und Umstellungsschwierigkeiten (Darm, Verdauung) können beispielsweise vorkommen | Langsame, den Darm und die Verdauung schonende Umstellung auf feste Kost bzw. Muttermilchersatznahrung |
| Hilfsmittel | Abstilltabletten sind gerade in den ersten Wochen nach Stillstart wirksam; Salbeitee, Kühlung der Brust, Reduzierung der Stilldauer und moderates „Einbinden“ können bei der Reduzierung der Milchmenge unterstützend wirken | Es bedarf meist keiner Hilfsmittel |
Im klassischen Beikost-Fahrplan ist der schrittweise Ersatz von Stillmahlzeiten durch Beikost und Muttermilchersatznahrung vorgesehen. Auch hier gilt natürlich: Passt das für Sie und Ihr Stillkind? Dann können Sie diese Beispielpläne für sich anwenden.
Geht es Ihnen zu schnell? Dann ersetzen Sie keine Mahlzeiten in dichter Folge, sondern stillen begleitend zur Beikost weiter. Bieten Sie bei Bedarf die Brust an, wenn Ihr Baby nach einigen Löffeln Brei unruhig wird, oder stillen Sie einige Schlucke vorab, damit Ihr Stillkind sich entspannt mit neuen Lebensmitteln beschäftigen kann. Die Stillmahlzeiten werden sich im Laufe der Zeit ganz von allein reduzieren.
Sie haben Zeit und können ganz langsam Stück für Stück abstillen, möchten aber gern ein bisschen eingreifen? Dann können diese Tipps helfen:
Beim langsamen Abstillen können Sie jederzeit unterbrechen. Das gilt vor allem für Anlässe wie Infekte und beim Zahnen, wenn ihr Baby oder Kleinkind nur schwer ohne Stillen zurechtkommt. Auch wenn es sich wie ein Rückschritt anfühlen mag: Sie können jederzeit wieder reduzieren, wenn es Ihrem Stillkind besser geht. Babys und auch Kleinkinder sind schließlich anpassungs- und lernfähig und deshalb absolut in der Lage, bei entsprechender sensibler Begleitung das Fortsetzen des Abstillprozesses zu verarbeiten.
Je älter das Stillkind wird, desto eher können Sie auch konkrete Regeln einführen. So entscheiden sich manche Mütter dafür, unterwegs oder nachts nicht mehr zu stillen.
Primäres Abstillen bedeutet, dass das Neugeborene nicht angelegt wird bzw. ausschließlich das Kolostrum erhält. Danach wird es mit Milchnahrung versorgt.
Trotzdem stellt sich der Körper der frischgebackenen Mütter auf das weitere Stillen ein. In Kliniken wird die Milchproduktion in der Regel mithilfe von Medikamenten (Abstilltabletten) unterbrochen. Wird das Baby weiterhin nicht angelegt bzw. keine Milch durch Ausstreichen oder Pumpen entnommen, stellt der Körper die Milchbildung binnen weniger Tage ein.
Medikamentöses Abstillen
Abstilltabletten für das primäre Abstillen sind in der Regel gut verträglich. Lassen Sie sich dennoch bezüglich der Nebenwirkungen von Ihrer betreuenden Hebamme und den Ärzten in der Klinik ausführlich beraten. Ein konventionelles Abstillen ohne Medikamente ist meist ebenso schnell und effektiv wie ein medikamentöses Abstillen.
Der sogenannte Milcheinschuss tritt in beiden Fällen häufig trotzdem ein, meist am dritten Tag nach der Geburt. Für die meisten Stillenden ist es sehr angenehm, die Brust zu diesem Zeitpunkt gut zu kühlen. Kühlpads, kühle Kohlblätter oder Quark-Auflagen werden dafür in der Regel genutzt.
Beim sekundären Abstillen haben Sie Ihr Baby bereits angelegt oder begonnen zu pumpen, entscheiden sich aber nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten gegen das Stillen. Jetzt wird in der Regel konventionell über selteneres Stillen, Kühlen und das Trinken von Salbeitee die Milchmenge reduziert, medikamentöses Abstillen ist beim sekundären Abstillen selten angebracht.
Die Anwendung von abstillenden Medikamenten ist zu diesem Zeitpunkt selten zielführend, weil Nebenwirkungen häufiger auftreten. Deshalb ist es oft ratsam, konventionell abzustillen.
Konventionelles Abstillen
Im besten Fall haben Sie zum Abstillen zumindest etwas Zeit und können alle drei bis vier Tage eine Stillmahlzeit mit Muttermilchersatznahrung ersetzen. So kann sich die Milchproduktion langsam, aber stetig reduzieren, und Sie sowie Ihr Baby haben Gelegenheit, sich auf das finale Abstillen vorzubereiten.
3 Tipps zur schnellen Umgewöhnung:
Wenn Sie abrupt, das heißt ohne Vorlauf binnen sehr kurzer Zeit abstillen müssen, achten Sie insbesondere auf die Anzeichen eines Milchstaus:
sind sichtbare Zeichen. Sollte das der Fall sein, dann nehmen Sie bitte direkt Kontakt zu Ihrer Hebamme oder Arzt/Ärztin auf. Die Brust sollte dann so weit entleert werden, dass sich die Verhärtungen lösen. Bei Anzeichen von Fieber oder Schüttelfrost suchen Sie bitte sofort einen Arzt oder Hebamme auf. Denn dann entwickelt sich der Milchstau zur Brustentzündung weiter, die dringend medizinisch behandelt werden sollte.
Beim bewussten Teil-Abstillen entscheiden sich Mamas dazu, in bestimmten Situationen oder zu bestimmten Zeiten nicht zu stillen. Außerhalb dieser Zonen stillen sie aber weiterhin nach Bedarf. Häufig gilt das Teil-Abstillen für nächtliches Trinken oder um das Stillen unterwegs einzuschränken.
Beispiel: Nächtliches Abstillen
Das Kleinkind wird tagsüber nach Bedarf weiterhin gestillt, erhält nachts aber keine Brust und meist auch keine Flasche als Ersatz. Das sogenannte Abstillen nach Gordon-Verfahren beschreibt dabei, dass sich vorrangig die Mutter einen klaren Zeitrahmen setzt und ihr Kind dann während der Nacht aktiv über andere Regulierungsmethoden (streicheln, kuscheln, eventuell Schnuller oder Kuscheltier) in den Schlaf zurückbegleitet. Stellen Sie hier sicher, dass Ihr Kind tagsüber ausreichend trinkt bzw. stillt.
Gut zu wissen: Kleinkinder haben oft noch kein gutes Gefühl für Aussagen wie „in drei Stunden“. Hilfreicher sind Fixpunkte wie
„Sobald es hell wird, stillen wir wieder.“
„Wenn mein Wecker klingelt, kannst du weiter stillen.“
Beispiel: Abstillen außer Haus
Das ältere Baby oder Kleinkind wird zuhause nach Bedarf oder ergänzend zu seinen Beikostmahlzeiten gestillt, außer Haus aber nicht mehr. Da erhält es Beikost- oder Flaschenmahlzeiten. Dieses Abstillen kommt Mamas zugute, die gern länger stillen möchten, sich aber auswärts beobachtet oder beurteilt fühlen.
Auch wenn Sie und Ihr Baby jederzeit und an jedem Ort stillen können sollten, ist das Teil-Abstillen immerhin eine Möglichkeit, wie Sie das Stillen fortsetzen können, ohne Ihren Bewegungsradius zu sehr einschränken zu müssen.
Babys reagieren häufig mit umstellungsbedingten Verdauungsbeschwerden, die sich nach einiger Zeit von allein geben. Bei Müttern können Stimmungsschwankungen und Haarausfall auftreten.
Die plötzliche Hormonumstellung kann zu teils starken Stimmungsumschwüngen führen, Traurigkeit und Niedergeschlagenheit können wie aus dem Nichts den Alltag beeinflussen.
Halten die negativen Emotionen zu lange an oder sind sie, im Vergleich zu Ihrem üblichen Charakter, ungewöhnlich stark? Dann sprechen Sie vertrauensvoll einen Arzt oder eine Ärztin an.
Der Haarausfall tritt nicht immer auf und hält in der Regel nur kurz an, auch kurzzeitige Verschlechterungen des Hautbilds mit Unreinheiten treten manchmal auf.
Einige Wochen nach dem Abstillen lohnt sich außerdem ein kurzer Check-up beim Arzt, um zu prüfen, ob die Schilddrüse die Hormonumstellung gut überstanden hat oder einige Nährstofflücken durch die schöne, aber sicherlich stressige Lebensphase mit Baby aufgetan haben.
Das Abstillen wirkt auf Mutter und Kind unterschiedlich und betrifft neben den körperlichen Vorgängen insbesondere auch die Emotionen.
Bei der Mutter verändert sich der Hormonspiegel stark, vor allem wenn abrupt abgestillt wird oder primär abgestillt wird. Auch ein gewünschtes Abstillen kann für stärkere Stimmungsschwankungen sorgen.
Unser Tipp: Das (aktive) Abstillen darf und sollte betrauert oder, wenn sich das für Sie richtiger anfühlt, auch gefeiert werden. Alle Emotionen im Zusammenhang mit dem Abstillen sind zunächst gut und haben ihre Berechtigung. Bei einer starken Negativspirale sollten Sie sich aber dringend an medizinisches Fachpersonal wenden.
Bei Babys unter einem Jahr ersetzen Sie maximal eine Stillmahlzeit pro Woche durch Muttermilchersatznahrung. Wenn es krankheitsbedingt schneller gehen soll, können Sie auch alle zwei bis drei Tage eine Stillmahlzeit ersetzen. Dazu bieten Sie Ihrem hungrigen Baby eine Milchnahrung an, bevorzugt wird meist die Flasche genommen.
Wenn Ihr Baby schon größer ist, kann es aber auch gut mit einem Becher gefüttert werden.
Bei älteren Stillkindern können Sie Stillmahlzeiten durch das aktive Angebot an Spielen, Snacks oder der nächsten regulären Mahlzeit hinauszögern. Wenn Sie können, stillen Sie langsam ab. Das ist schonender, sowohl für Ihren als auch für den Körper Ihres Stillkindes. Ihr Stillkind wird immer mehr das Interesse an der Brust verlieren und sich sowohl der Familienkost als auch vielen anderen Dingen zuwenden.
Körperlich schonend ist für dich und für dein Kind, wenn du langsam nach dem sechsten Monat eine Stillmahlzeit nach der anderen durch Beikost ergänzst und später ganz ersetzt. Stille ergänzend dazu vor und nach den ersten Beikost-Mahlzeiten, bis dein Baby sich an die neue Nahrung gewöhnt hat. Stille so weiter, wie es für dich und dein Baby gut passt.
Jedes Kind stillt sich letztlich von selbst ab, wenn ihm ausreichend Zeit dafür gelassen wird. Wenn du den Abstillprozess sanft selbst einleiten willst, dann
Sollte es medizinisch notwendig sein, kannst du auch deutlich schneller binnen weniger Tage abstillen. Dann solltest du darauf achten, keinen Milchstau zu entwickeln.
Die schnelle Umstellung bedeutet zudem Stress für dein Baby, dessen Verdauungssystem sich nicht so schnell auf feste Kost bzw. Muttermilchersatznahrung einstellt.
Babys zeigen ihren Frust über das Abstillen oft lautstark, indem sie weinen und schreien. Gestehen Sie Ihrem Baby diese Gefühle zu und trösten Sie es durch diesen schwierigen Prozess, so gut Sie können.
Bleiben Sie aufmerksam für alle seine Bedürfnisse und halten Sie Körperkontakt. Haut an Haut beruhigt sich Ihr Baby schneller und stellt sich besser auf die neue Situation ein.
Wenn Sie können, wechseln Sie sich mit Ihrem Partner oder anderen nahen Bezugspersonen ab, wenn es ums Füttern, Wickeln, Herumtragen und Spielen geht.
Schenken Sie Ihrem Baby so viel Liebe und Nähe wie nur möglich. Wenn Ihr Baby ein großes Saugbedürfnis hat, können Sie außerdem einen Schnuller oder Nuckel als Ersatz für das Saugen an der Brust anbieten. Auch das kann die Übergangszeit erleichtern.
Für Pfefferminztee konnte nicht die gleiche abstillende Wirkung wie bei Salbeitee nachgewiesen werden. Zur Unterstützung des Abstillens sind zwei bis drei Tassen Salbeitee täglich sinnvoller.
Salbeitee allein wirkt allerdings nicht, seine milchreduzierende Wirkung kann durch verstärktes Anlegen bzw. Weglassen des Tees auch wieder aufgehoben werden.
Ihr Körper durchläuft eine Reihe von Veränderungen, angefangen mit einem veränderten Hormonhaushalt. Dadurch können Sie sich anfangs traurig, müde, nervös und abgespannt fühlen. Hält dieser Zustand an und fühlen Sie sich emotional sehr angeschlagen, sollten Sie bitte einen Arzt aufsuchen.
Ein geregelter Zyklus startet bei einigen Frauen erst dann, wenn sie endgültig abgestillt haben, bei anderen setzt er bereits in der Stillzeit oder nach Weglassen einiger Stillmahlzeiten wieder ein.
Die Brüste reagieren auf das Abstillen meist mit einer Volumenverkleinerung. Die viel gefürchteten Hängebrüste entstehen nicht durch das Stillen selbst, sondern sind vielmehr die Folge eines schwachen Bindegewebes. Das verändert sich bereits in der Schwangerschaft, die Folgen werden aber oft erst nach dem Abstillen sichtbar. Wichtig ist für Sie: Die endgültige Körbchengröße und Busenform zeigen sich oft erst einige Monate nach dem Abstillen.
Haben Sie abgestillt, ändert sich auch für Ihr Babys einiges: Sein Verdauungssystem muss sich auf die veränderte Ernährung einstellen. Blähungen und eine gewisse Unruhe könnten also auftreten, ebenso wie geänderte Schlafrhythmen oder ein stärkeres Nähe-Bedürfnis. Bei Infekten und Magen-Darm-Erkrankungen sollten Sie neben der Beikost auf eine gute Versorgung mit Flüssigkeit achten.
Wichtiger Hinweis:
Stillen ist für Ihr Baby die beste und preiswerteste Ernährungsform und zugleich ein guter Schutz gegen Krankheiten. Häufiges Anlegen ist der beste Weg, den Milchfluss anzuregen. Achten Sie in der Stillzeit besonders darauf, ausgewogen und auch ausreichend zu essen. Die Entscheidung, nicht zu stillen, ist nur schwer rückgängig zu machen. Wenn Sie Säuglingsnahrung zufüttern, kann dieses den Stillerfolg beeinträchtigen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ausschließliches Stillen für die Dauer von 6 Monaten. Lassen Sie sich von Ihrer Klinik oder Ihrem Kinderarzt beraten.
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Sabrina Sailer ist seit 2010 ehrenamtliche Stillberaterin und ausgebildete Trageberaterin. Sie arbeitet als Werbetexterin und Redakteurin und betreut zusätzlich verschiedene Angebote, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betreffen.