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Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt

Das dritte Schwangerschafts-Trimester

Elternforum

gast.1628509
7. Mai 2013 10:42
Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Ich bin 30 Jahre alt und mit meinem ersten Kind schwanger.
Im Rahmen des Organultraschalls/Zweittrimesterscreenings, das bei SSW 21+0 am 08. Januar 2013 durchgeführt wurde, wurde als Zufallsbefund sonographisch eine deutlich verkürzte Zervix festgestellt. Ich hatte bis dato keinerlei Schwangerschaftsprobleme gehabt, weder Schmerzen noch Blutungen. Alles, was ich vielleicht bemerkt habe, war ein Ziehen im Rücken und Unterleib, aber das hielt ich für normal, da doch der Uterus sich rasch ausbreitete und meiner Vorstellung nach Bänder gedehnt wurden und Organe verdrängt wurden. Rückblickend hatten wir im Dezember viel Stress gehabt. Ich arbeitete Vollzeit als Ärztin, ich ging abends noch zum Sport, Weihnachten feierten wir zu elft, Silvester zu siebt und die erste Januarwoche taten wir uns noch eine Städtetour an, bei der wir viel durch eine Stadt liefen. Schwanger sein, so dachte ich, das geht nebenbei. Ich wollte mir vor meinen überwiegend männlichen Kollegen auch keine Schwäche eingestehen, zumal die Schwangerschaft schon erhebliche Vorteile für mich in Bezug auf Beschäftigungsverbote in bestimmten Bereichen brachte.
Die Zervix maß jedenfalls nur noch 7,7 mm und der innere Muttermund hatte sich bereits auf 1,5 cm eröffnet. Und das bei SSW 21+0! Dem Kind ging es gut, alles zeitgerecht entwickelt ohne Anhalt für irgendwelche Anomalien. Aber es drohte eine extreme Frühgeburt. Ich realisierte das alles erst später zu Hause. Hatte ich eine Ahnung, dass 7,7mm Zervixlänge verdammt wenig ist und dass sie normalerweise mindestens 3-4 cm betragen sollte? Ich bekam einen Pessar eingelegt, einen sogenannten Arabin-Pessar. Das ist ein Gummiring, der um die Zervix gelegt wird und den Druck vom Muttermund nehmen soll. Das Legen fiel in die Kategorie leicht unangenehm, aber keineswegs schmerzhaft. Außerdem erhielt ich gegen vorzeitige Wehen einen Prostaglandinsynthesehemmer, das sogenannte Indometacin, welches ab späterer Schwangerschaftswoche kontraindiziert ist, da es einen vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus botalli verursachen kann. Ich nahm es nur 2 Wochen, und ab da nur noch bei Bedarf, wenn der Bauch „hart“ wurde oder ich Rückenziehen bekam. Ferner nahm ich jeden Abend 200mg Utrogest (= Progesteron)- Weichkapseln vaginal, das schwangerschaftserhaltend und Zervix-aufbauend wirken sollte.
Ich wurde sofort krankgeschrieben und nach Hause geschickt. Auf keinen Fall solle ich lange stehen, lieber Gehen. Auf der Arbeit blieb alles stehen und liegen. Relative Bettruhe sollte ich einhalten und ehrlich gesagt, hielt ich bis auf Toilettengänge und Duschen gänzlich Bettruhe ein. Ich schob mir ein Keilkissen unter den Hintern und lag die meiste Zeit flach oder zum Essen mit aufgerichtetem Oberkörper. Mein Mann und ich fingen an zu lesen. Überlebenschancen für ein Kind, das in dieser Schwangerschaftswoche geboren wird, gleich null. Aber der 24. Woche deutlich besser und offiziell würde es dann intensivmedizinisch am Leben erhalten werden, jedoch unter extremen Einbußen wie Organschäden, Komplikationen und vielleicht bleibenden Behinderungen. Jeden Tag las ich, wie die Chancen denn heute stehen würde, wenn mir die Fruchtblase platzen würde. Das Pessar verursachte nach einiger Zeit wässrigen Ausfluss und mehr als einmal dachte ich, dass nun die Fruchtblase gesprungen sei und geriet in Panik.
Nach drei Wochen erfolgte bei SSW 24+0 die erste Kontrolle. Dem Kind ging es weiterhin ausgezeichnet, es war gut gewachsen und die Zervix hatte sich auf 2 cm erweitert. Der innere Muttermund war geschlossen. Bei SSW 23+5 und bei 23+6 hatte ich die Lungenreifespritze Celestan (2x12mg Betamethason) i.m. erhalten. Das wurde stationär gemacht. Rückblickend war das voreilig und ich hätte darauf verzichten können, zumal die Wirkung nur etwa 10 Tage anhält und sie im Verdacht steht, spätere neuro-kognitive Einschränkungen beim Kind hervorzurufen oder u.a. ADHS auszulösen.
Über unsere Krankenkasse erhielten wir problemlos eine Haushaltshilfe, die sich ergänzend zu unserer Reinigungskraft, die wir ohnehin schon hatten, um den Haushalt kümmerte, einkaufte, Wäsche machte und, wenn ich es denn gewollte hätte, auch gekocht hätte.
Ich schonte mich weiterhin und feierte bei jeder weiteren Woche, die wir erreichten. Die Zervix maß bei den weiteren Kontrollen immer um die 2,9 cm. Das Pessar, von dem man nichts spürt, blieb bis 37+0 liegen und wurde dann entfernt, was unangenehmer als das Legen war.
Mit jeder weiteren Schwangerschaftswoche wurde ich deutlich mutiger, stand wieder auf, unternahm als Beifahrerin kleine Spritztouren mit meinem Mann und wir gingen ausessen oder ich ging einige Schritte im Garten, als das Wetter langsam besser wurde. Und wir gingen schwimmen, was ein Segen war, sich endlich wieder zu bewegen!
Seit etwa der 30. SSW verzichtete ich auf Haushaltshilfe und Reinigungskraft und legte zu Hause selber Hand an: nicht alles auf einmal und vieles noch im Sitzen, aber ich fühlte mich wieder tätig und erfreute mich am direkten Ergebnis meiner Arbeit. Ich wusch im Sitzen Küchenschränke aus, bügelte im Sitzen oder hing Wäsche im Keller auf, indem ich auf einem ausrangierten Bürostuhl über den Gang rollerte, ich traute mich leichte Sachen einzukaufen und den Boden nass zu wischen oder Staub zu saugen.
Bis SSW 37+0 behielt ich also das Pessar und bis dahin nahm ich auch täglich 2x 100mg Progesteron-Weichkapseln vaginal sowie Magnesium-Brausetabletten ein. Die Zervix maß bei 37+0 unglaubliche 4,5 cm und war fest verschlossen! Da es sich nun um ein reifes Neugeborenes handeln würde, war keinerlei übertriebene Schonung mehr notwendig und das Kind durfte ab sofort jeden Tag kommen, wenn es wollte.
Heute bin ich bei SSW 38+0, von drohender Frühgeburt keine Spur mehr und ich möchte allen Frauen, die eine ähnliche Schock-Diagnose in früher Schwangerschaftswoche erhalten, Mut machen, dass es bis zum Schluss gut gehen kann!
Marina1208
10. Mai 2013 11:34
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
ich geb dir einen Tipp:

wenn du ne antwort erwartest, dann halte dich kurz, es haben nur wenige lust soviel zu lesen!

Alles Gute!
gast.1416373
10. Mai 2013 12:59
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Marina1208 hat geschrieben:
> ich geb dir einen Tipp:
>
> wenn du ne antwort erwartest, dann halte dich kurz, es haben nur wenige
> lust soviel zu lesen!
>
>

nett :roll:

Ich kann verstehen, dass man nach solch anregenden Wochen einfach das Bedürfnis hat sich mitzuteilen... und es war mir auch nicht zu viel zu lesen !!

Dir alles Gute für die Geburt und ganz viel Freunde mit Deinem kleinen Sonnenschein!!!
gast.1169036
10. Mai 2013 13:02
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Also das find ich jetzt einbisschen fies, sie erzählt hier schliesslich ihre erfahrungen während der ss, was sie getan hat um ihr kind zu schützen, sowas kann man nicht einfach mal in 5 sätzen beschreiben. Und wer keine lust hat sowas langes zu lesen muss es ja nicht.

Ich wünsche dir, oceanbird, weiterhin alles gute und eine schöne geburt!
Dorftrampel
12. Mai 2013 20:19
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Ich habe alles mit Spannung gelesen... war selber in der 20. SSW stationär wegen drohendem Abort bei frühzeitiger Wehentätigkeit.
Habe meine Mausi bis 37+2 SSW halten können, wegen akutem HELLP-Syndrom jedoch eine Not-Sectio gehabt.
Sie wird im Juni 3 Jahre alt und ist ALLE Mühe Wert gewesen ;)

Alles Gute wünsch ich dir für die bevorstehende Geburt und eine schöne Kennenlernzeit !!
gast.1622292
12. Mai 2013 22:07
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Ich komm auch um Mut zu machen :)
Ich hatte 2004 eine Frühgeburt in der 27ss spontan,heute gehts meinen kleinen -großen sehr gut ganz normal entwickelt :) habe letztes jahr im Oktober meinen Jacob zur Welt gebracht :) aber die Schwangerschaft wahr sehr kompliziert,wahr eine Risiko Schwangerschaft wegen der Frühgeburt 2004 und hatte 2011 Gebärmutterhals krebs da wurde mir 2cm vom hals entfernt also ganz schlimm . Habe in der 18ssauch einen Ring über denn zervixbekommen und Bettruhe habe einmal die Woche ins krankenhaus ab der 25ss einmal die Woche eine spritze beim Facharzt :( bis in der 37 ss nur im Bett und zum Arzt in Spital das wahr echt schlimm ganz schlimm dann in der 37ss wurde Ring entfernt und mein Jacob dürfte kommen :) er ist in der 40+2ssgekommen und alles ging gut :)
Lieben Gruß Ella
Wunsch denn kommenden Mamis alles gute und viel kraft :)
gast.1622292
12. Mai 2013 22:15
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
hatte die ganze Schwangerschaft einen zervix von 2,5-1,9das kürzeste wahr 1,1ist dann in der nächsten Woche drauf wieder länger geworden :)muss aber sagen das die Bett ruhe sehr wichtig ist wenn sie Verordnet ist .
lissi91
14. Mai 2013 13:15
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
@Marina1208
Dann lies es doch nicht wenn es dir zu anstrengend ist :roll:


Ich finde es bewundernd wie du das ausgehalten hast! Ich selber hatte eine unkomplizierte SS, habe sogar noch mein Examen zur Krankenschwester und unserern Wohnungsumbau - und Umzug mitgemacht, ohne Probleme.
Deshalb Wahnsinn dass du solang durchgehalten hast. Kann mir die Angst vorstellen die du hattest. Ich selbst hätte sicher schon Angst gehabt in der Dusche zu lang zu stehen!
Ich wünsche dir für die Geburt alles Gute!!
AyseAmir
16. Mai 2013 15:34
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Das ist wirklich viel Text 8-) ;)

Also, für mich wäre das schwer umzusetzen. Ich bin in der 21. ssw. Ich bin oft unterwegs, Möbel für den kleinen aussuchen, Preise/Qualität vergleichen, einkaufen, kochen, aufräumen usw.
Nur liegend die Schwangerschaft verbringen ist echt schwer :shock:

Wünsche dir alles gute :)
primus
16. Mai 2013 15:50
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
@ Marina1208

Ich gebe dir auch mal einen Tip: Im Titel des Threat steht "ErfahrungsBERICHT" ! Wer lesen kann ist deutlich im Vorteil ;) Einen BERICHT schreibt man mit mehr als 4-5 Sätzen.


Respekt oceanbird! Ich glaube, ich wäre durchgedreht und am Boden zerstört gewesen, aber du scheinst die Situation wirklich suverän gemeistert zu haben :o wünsche dir weiterhin alles alles Gute und genieße dir restliche Zeit!
Biggi86
20. Mai 2013 09:41
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Es gibt genügend Leute die auch mehr als 5 Sätze lesen, wenn sie etwas interessiert und die es nicht nur gewohnt sind Untertitel unter Bildchen zu lesen ^^

Schöner Erfahrungsbericht und ich denke der wird der ein oder anderen Betroffenen wirklich etwas Mut machen! Ich weiß noch wie ich mir immer Sorgen gemacht habe (obwohl die SS unkompliziert verlief) und immer in meinem Buch nachgeschaut habe, ab welcher SSW es gute Überlebenschancen hätte.
Khisanee
20. Mai 2013 13:17
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Danke für den Erfahrungsbericht. Ich finde, dass gerade diese sehr persönlichen Berichte das Forum hier bereichern und vielen Frauen hier Ängste nehmen, Hoffnung machen, oder sie aber auch trösten mit dem Gefühl eben nicht alleine zu sein.

Wir haben einen gesunden fast 20 Monate alten Sohn, und die Schwangerschaft war traumhaft. Es gab keine Komplikationen, rein gar nichts.
Wirklich Angst gehabt habe ich während der Schwangerschaft nicht. Manchmal ein wenig, aber das war eher Sorge als Angst.
Wir wollen unbedingt noch ein zweites Kind.
Doch ich merke, das obwohl ich noch gar nicht schwanger bin, in mir doch Ängste hochkommen. Was ist wenn es schiefgeht? Was ist wenn es plötzlich zu Komplikationen kommt? Was wäre wenn.....?
Vielleicht ist es jetzt so extrem, weil wenn ich unseren Sohn angucke, ich weiß was beim "wäre wenn" verloren geht.
Ich hoffe und möchte einfach ganz fest daran glauben, das wieder alles Glück für uns da ist und ein Schutzengel aufpasst.
AninS85
22. Mai 2013 18:19
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Hallo!!
also ich bin unglaublich froh über diesen erfahrungsbericht!!war auch in der 21 ssw als durch zufall rauskam dass der gbmh nur noch bei 2cm ist mit grossem trichter.jetzt lag ich 2 wochen zuhause, 2mal die woche kontrolle, leider keine verbesserung.so war ich nun 5 tage im kh (23 ssw) und mir wurde eine cerglace gelegt.hab seit dem (5 tage her,seit gestern wieder daheim) ständig einen ganz harten bauch, druck nach unten und beim sitzen so ein stechen.darf am tag 3x 10 min laufen.von der psychischen seite ganz zu schweigen...!deswegen vielen dank fürs mut machen!!!!! hoffe ich schaffe es auch soweit!!!!
gast.1169036
22. Mai 2013 21:15
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Oceanbird, wie geht's dir denn? Ist dein baby schon auf der welt?
A-H
12. Apr 2019 12:44
Re: Erfahrungsbericht drohende Frühgeburt
Vielen Dank, dass du dir, trotz diesen bestimmt enorm psychischen Stress, die Zeit nimmst und so einen Beitrag verfasst.
Daumen hoch 👍 - du machst soo viel Mut damit.

Danke 🙏
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