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Der Ehrensberger Hof

Ein HiPP-Musterbetrieb für Biologische Vielfalt

HiPP hat 2009 auf dem Ehrensberger Hof in Pfaffenhofen in Kooperation mit Wissenschaftlern, Bioland und dem Landesbund für Vogelschutz damit begonnen, Methoden zu erforschen, die sich im Grünlandbetrieb positiv auf Bodenfruchtbarkeit und die Artenvielfalt auswirken. Ziel ist es, diesen Bio-Hof als Musterbetrieb nachhaltig, biodiversitätsfreundlich und effektiv zu bewirtschaften.

Gezeigt werden soll, wie Nachhaltigkeit und der Schutz der Biologischen Vielfalt in den landwirtschaftlichen Alltag integriert und damit Verbesserungen erzielt werden können. Langfristig möchten wir HiPP Erzeugern pragmatische Hinweise für kostengünstige Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt an die Hand geben und damit die Anzahl besonders biodiversitätsfreundlicher Erzeuger erhöhen.

Ziel ist es, diesen Musterbetrieb Ehrensberger Hof nachhaltig und effektiv zu bewirtschaften.

Er soll zukünfitg als Modell für die HiPP Erzeuger dienen.

Alte Rassen wie z.B. original Braunvieh (nur noch 500 in Bayern) sorgen für genetische Vielfalt.

Bio-Stroh, Steinmehl, Festmistdüngung und andere natürliche Methoden verbessern die Bodenfruchtbarkeit.

Neue Lebensräume werden geschaffen durch Waldweiden, Baumreihen, Wildschutzhecken (z.B. für den bedrohten Neuntöter).

Benjeshecken, Wurzelstöcke und Blühstreifen an Feldrändern und in den Wiesen.

Kulturlandplan und Erhebung wissenschaftlicher Daten

Die ökologische Standortbestimmung für Hof und Land gibt konkrete Handlungsvorschläge für Verbesserung von Artenvielfalt und Naturschutz. In diesem Projekt arbeiten wir zusammen mit Bioland, der TU München und der Leibniz-Universität Hannover, dem AÖL, DBU sowie dem Landesbund für Vogelschutz, Bayern. Ergebnisse werden 2016 erstmals auf der Weltleitmesse Biofach öffentlich präsentiert. Außerdem spricht sich der Betrieb gegen grüne Gentechnik aus, weil sie unabsehbare Folgen für Natur und Mensch hat und durch Monokultur die biologische Vielfalt gefährdet.

Alte Rassen auf dem Hof

Um die Artenvielfalt zu erhöhen, fanden seltene alte Rassen auf dem Hof ein Zuhause: Original Braunvieh, von dem es nur noch 500 Tiere in Bayern gibt, Skudden-Schafe (aktuell 1000 Tiere in Deutschland) und die alte Hühnerrasse Appenzeller Spitzhauben.

Skudden-Schafe
Appenzeller Spitzhauben

Lebensraum für bedrohte Arten der „Roten Liste“

  • Original Braunvieh

    Das Original Braunvieh ist laut der Roten Liste der bedrohten Nutztierarten „stark gefährdet“. Auf dem Ehrensberger Hof, dem Modellprojekt von HiPP für eine nachhaltige Landwirtschaft, wird diese Rasse artgerecht gehalten. Das Original Braunvieh stammt von dem sogenannten „Torfrind“  ab, welches schon vor über 2000 Jahren an den Alpenrandseen weidete.

    Gelbbauchunke

    Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz, Bayern (LBV) sind auf dem Ehrensberger Hof verschiedene Auswilderungsprojekte durchgeführt worden, um beispielsweise die Schleiereule, die Gelbbauchunke, die Fischlanddole oder der Laubfrosch wieder anzusiedeln. Auf dem Ehrensberger Hof werden Arten wie Gelbbauchunken angesiedelt.

    Der seltene Neuntöter ist ein wichtiger Heckenvogel für ein intaktes Ökosystem

    Der Neuntöter ist eine wichtige Art für ein intaktes Ökosystem. Durch intensive Landwirtschaft fehlen dem Vogel immer mehr die Hecken und Büsche als natürliche Umgebung. Er gehört mittlerweile zu den gefährdeten Arten. Der seltene Vogel ist vor allem dadurch bekannt, dass er seine Beute auf Dorne spießt. Dem Volksglauben nach, sammelt er so immer erst neun Insekten, bevor er diese verspeist.  HiPP schafft  auf dem Ehrensberger Hof neue Lebensräume für den Neuntöter, beispielsweise durch Aufschichten von Benjeshecken (Äste und Zweige) an Feldrändern.

    Mit dem Uhu verbinden heutzutage viele Menschen eher ein Markenprodukt, als ein Tier. Denn er ist kaum noch zu hören oder zu sehen: Der Uhu gehört zu den gefährdeten Tieren Deutschlands, sein größter Feind ist der Mensch. Monokulturen wie Mais- und Rapsfelder sowie intensive Forstwirtschaft rauben dem Uhu seinen Lebensraum. Mit dem Verlust seines Reviers geht massiver Nahrungsmangel einher. Auf dem Ehrensberger Hof lebt nun ein Uhu-Pärchen und zieht seinen Nachwuchs groß. Durch die ökologische und extensive Landwirtschaft bleiben Pflanzen auf dem Hof naturbelassen und frei von Pestiziden. So bildet der Hof einen optimalen Lebensraum für die seltenen Vögel.

Unterschlupf für gefährdete Tiere

  • Ein Insektenhotel und Zauneidechsenunterschlupf sollen den Mangel an natürlichen Behausungen für diese Tiere ausgleichen. Ebenso wurden Nistkästen auf dem Hof verteilt, weil natürliche Höhlen für Kauze, Stare, Mehlschwalben, Sperlinge, Meisen, Falken und Fledermäuse immer seltener werden.
     

    Dieser Nistkasten aus einem Naturstamm soll Turmfalken oder Waldkäuzen als Brutplatz dienen. Heutzutage ist es leider üblich die Wälder von Totholz (natürliche Brutstätte vieler Vögel) frei zu halten. Deshalb wird ein Nistkasten als Alternative angeboten.

     

    Gut zu wissen

    • Schleiereulen fressen in der Brutzeit pro Paar bis zu 30 Mäuse am Tag.
    • Eine Fledermaus frisst pro Nacht bis zu 4000 Insekten.
    • Warum einzelne Tierarten schützen? Ganz einfach, sie erfüllen Funktionen, die wir erst wahrnehmen, wenn sie fehlen. So gäbe es z.B. ohne Laubfrösche sehr viel mehr Stechmücken.

    Viele Menschen könnten wohl ohne Honig leben - doch ohne Bienen geht es nicht. Die Insekten liefern nicht nur den süßen Brotaufstrich, sondern bestäuben vor allem Blüten. Damit sichern sie die Existenz von Pflanzen und sorgen für gute Erträge der Bauern. Ohne die Tiere ist beispielsweise die Obsternte bedroht. Wenn Bienen sterben oder kränkeln, betrifft das uns alle. Deshalb engagiert sich HiPP durch Projekte zur Biologischen Vielfalt für die Erhaltung der natürlichen Lebensräume - auch für Bienen. Der Ehrensberger Hof beheimatet nun auch sechs Bienenvölker, die als Entgegnung auf das dramatische Bienensterben angeschafft wurden.
     

    Gut zu wissen

    • 85% der weltweiten Nahrungsmittelproduktion hängt von der Honigbiene ab. Sterben die Bienen aus, kann auch der Mensch nicht überleben, denn die verbleibenden Wildinsekten würden es nicht schaffen alles zu bestäuben.
    • Ein Bienenvolk hat bis zu 60.000 Bienen.

    Um die Ansiedlung des Ameisenlöwen und anderen Insekten zu fördern, wurde auf dem Hof ein Terrain für das Insekt gebaut. Bodenlebende Larven und Insekten sind nämlich bedrohte, aber durchaus wichtige Tiere. Insekten, die im Erdreich oder sandigen Boden leben, leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für unsere Bodengesundheit und die Biodiversität. Sie lockern den Boden und tragen auch mit ihren Ausscheidungen dazu bei, dass dem Boden Nährstoffe zugeführt werden.

Neue Ökosysteme schaffen

  • Neue Ökosysteme wie Baumreihen, Wildschutzhecken (z.B. für den Neuntöter), Benjeshecken, Wurzelstöcke und Blühstreifen an Feldrändern und in den Wiesen wurden geschaffen um Lebensraum für Reptilien, Vögel, Kleinsäuger und Insekten zu bieten. Das Prinzip der Benjeshecke besteht darin, Hecken nicht durch Neuanpflanzung, sondern durch Wind- und durch Samenflug aufbauen zu lassen. Dazu werden Äste, Zweige und Reisig als Wall locker gestapelt, was wiederum dem Schutz der heranwachsenden Pflanzen dient. Die Vorteile einer solchen Anlage bestehen zum einen in ihren günstigen Herstellungskosten, darüber hinaus bietet das locker gelagerte Totholz unmittelbar Lebensraum für die zahlreichen selten gewordenen Arten.

    In der konventionellen Landwirtschaft werden die Felder und Wiesen aus Ertragsgründen bis an die Wegkanten bewirtschaftet. Zur Förderung der Biodiversität und Nachhaltigkeit pflanzen wir Wildschutzhecken mit Totholz und heimischen Wildblumen. Diese dienen Tieren als Lebensraum, bieten den Kühen Windschutz und vermindern Bodenerosion.

    Drei Elemente nachhaltiger Landwirtschaft auf dem Ehrensberger Hof:

    Feldrandbepflanzung mit Totholz und natürlicher Unterstand für das Vieh in einem Rotbuchenwald.

    Gut zu wissen

    • Trotz Hecken, die die reine Feldfläche kleiner machen, hat der Landwirt den gleichen Ertrag. Obwohl der Ertragsfläche etwas genommen wurde, ist der Ertrag am Ende gleich, weil sich die Bedingungen verbessern (z.B. entsteht an heißen Tagen viel Verdunstungskälte) und die angebauten Pflanzen stressfreier wachsen können.
    • Wird zur falschen Tageszeit gemäht (z.B. mittags), tötet man bis zu 24000 Honigbienen pro Hektar und  eine unbekannte Zahl an Wildinsekten.
    • In konventionellen Wiesen gibt es durch das häufige Mähen nur noch 3-5 Grassorten, auf einem Hof, der biologische Vielfalt erhält, dagegen bis zu 35 verschiedene Grassorten.

Bodenqualität erhöhen

  • Hinsichtlich der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit werden in dem Modellprojekt verschiedene Methoden erprobt, wie beispielsweise Steinmehl zur Bindung von Ammoniak, Festmistdüngung und andere natürliche Methoden. Auch Maßnahmen zur Unterstützung der Tiergesundheit, wie beispielsweise Biostroh als Einstreu werden eingesetzt.

    Viele Einwirkungen beeinträchtigen die Bodenqualität, besonders in der Landwirtschaft.

    1. Zersiedelung
    2. Chemische Belastung durch Industrie und Landwirtschaft mit Langzeitfolgen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Bodens.
    3. Physikalische Belastung durch unsachgemäße Bearbeitung (schwere Maschinen und Bodenbearbeitungsgeräte, die die empfindlichen Bodenkomplexe zerstören mit der Folge, dass vermehrter Einsatz von Chemie für Aufrechterhaltung der Ertragskraft erforderlich wird).
    4. Bearbeitung zum falschen Zeitpunkt.
    5. Verlust von organischer Substanz und damit der Leistungsfähigkeit des Bodens durch falsche Dünger, falsche Fruchtfolge und falsche Bodenbearbeitung.
    6. Beeinträchtigung des Grundwassers durch falsche Bodennutzung.


    Der Grundsatz:


    „Gesunder Boden – gesunde Pflanze – gesunder Mensch oder gesundes Tier“ ist zu beachten, ebenso wie das Prinzip der Nachhaltigkeit, das für den Erhalt des gesunden Bodens wichtig ist; Nachhaltigkeit auch in der Energiebilanz.
     

    Gut zu wissen

    • 150 l Wasser kann ein guter Bio-Boden pro Tag aufnehmen und speichern.
    • 56% der Böden in der EU sind ohne Leben.
    • Gute Bio-Böden können pro Jahr und ha 575-700 kg CO² speichern.
    • Regenwürmer sind sehr wichtig für den Boden, sie lockern ihn auf und düngen ihn quasi mit organischer Substanz (Humus), die sie abgeben. Im biologischen Landbau findet man 200 - 500 Regenwürmer pro m².
    • Bei Böden mit 230 Regenwürmer pro m² sind das umgerechnet 2,5 t Regenwürmer pro ha.
    • Böden mit 600 Regenwürmer pro m² könnten 80 t Humus pro Jahr und ha produzieren (Optimalfall).
    • Regenwurmröhren gehen bis zu 2 m tief in den Boden. Ein Regenwurm lebt ca. 10 Jahre in einer Röhre, wenn man ihn lässt, danach besteht die Röhre weitere 10 Jahre und wird von anderen Insekten und Wurzeln genutzt.

Wissensvermittlung zur Artenvielfalt

Der „Musterbetrieb für biologische Vielfalt“  beschäftigt sich speziell mit dem landwirtschaftlichen Anbau und den Möglichkeiten, in diesem Rahmen die biologische Vielfalt zu verbessern.  HiPP-MitarbeiterInnen kennen dieses Projekt bereits aus eigener Anschauung, ebenso wie Schüler, Studierende und sonstige interessierte Gruppen,  da HiPP regelmäßig Führungen auf dem Hof anbietet und das Thema im wahrsten Sinne des Wortes greifbar macht.

Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Aufgrund der guten Ergebnisse und positiven Erfahrungen mit diesem Projekt, haben wir beschlossen das Experiment auf Gemüse-  und Getreideanbau auszuweiten.  Gemeinsam mit anderen  Unternehmen der  Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL), wird HiPP bis zum Jahr 2016 auf weiteren Betrieben Methoden zum Erhalt der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft untersuchen.

Vorgehen und Zielsetzung

Aufgabe ist es, ein System für die Erfassung und Bewertung der Biodiversität zu entwickeln und die Ergebnisse so aufzubereiten, dass diese glaubwürdig und transparent durch Nahrungsmittelunternehmen weitergegeben werden können. Zum einen sollen die für die landwirtschaftliche Produktion wichtigen Funktionen der Arten und Populationen betrachtet werden („bewirtschaftungsbezogene Biodiversität“). Zum anderen wird die für den Naturschutz im Vordergrund stehende Erhaltung der Arten- und Biotopvielfalt  in den Blick genommen („Naturschutz-Biodiversität“)."

Gemeinsam mit der AöL, der TU München, der Leibniz Universität Hannover und den Partnerunternehmen untersuchen wir  die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die biologische Vielfalt  innerhalb der Wertschöpfungskette ökologischer Lebensmittel. Es werden praktische Schritte erarbeitet, wie hier Verbesserungen erzielt werden können. Langfristig möchten wir HiPP Erzeugern pragmatische Hinweise für kostengünstige Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt an die Hand geben und damit die Anzahl besonders biodiversitätsfreundliche Erzeuger erhöhen.

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